Segel-Bundesliga Spezial

Norddeutscher Regatta Verein, Hamburg (NRV)

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Foto: DSBL /Lars Wehrmann

Die Dominanz des NRV Hamburg in der vergangenen Saison mit dem vorzeitigen Gewinn des Bundesliga-Titels – dem zweiten in der zweijährigen Geschichte dieses Format – hat in der Szene Respekt ausgelöst. Wenn nach dem Favoriten für die kommende Saison gefragt wird, dann wird der NRV schon fast reflexartig genannt. Eine herausgehobene Stellung der Hamburger in Sachen Logistik und finanzieller Möglichkeiten sieht deren Team-Manager Klaus Lahme allerdings nicht. Im Gegenteil: „Wir haben keine eigene Bundesliga-Sparte im Verein, sondern erledigen diese Arbeit neben der normalen Aktivität. Und ich glaube, wir sind inzwischen einer der wenigen Vereine in der Bundesliga, der keine clubeigene J/70 hat. Wir haben aber das Glück, dass ein Vereinsmitglied eine hat und uns darauf trainieren lässt.“

Diese J/70 ist allerdings erst Ende März zu Wasser gegangen – zu einem Zeitpunkt, als andere Vereine bereits intensiv trainiert oder bei der Winter Series der Klasse vor Monaco Regatta-Erfahrung gesammelt haben.

Das Erfolgsgeheimnis muss also ein anderes sein! „Das Entscheidende ist, dass wir mit großer Begeisterung segeln. Wir haben 15 Segler im Kader, die alle gern für den Verein an den Start gehen wollen. Wir könnten locker eine zweite Mannschaft aufstellen. Dieser interne Konkurrenzkampf sorgt für mehr Leistungsdruck. Und wir haben große Erfahrung an Bord – nicht nur am Ruder, sondern insbesondere auch im Vorschiff “, sagt Lahme. Ein breiter Kader ist aber auch notwendig. Denn neben den sieben Bundesliga-Events will sich der NRV auch auf europäischer Ebene in Bestform zeigen.

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LIGA-HISTORIE: 2013: Meister 2014: Meister

ZIEL 2015: Spaß haben

FAVORITEN 2015: Konstanzer Yacht Club, VSaW, NRV

TEAM NRV: Florian Haufe, David Heitzig, Klaas Höpcke, Sven Erik Horsch, Arnd Howar, Carsten Kemmling, Gwendal Lamay, Niklas v. Meyerinck, Leon Passlack, Jojo Polgar, Florian Spalteholz, Tim Stilkenbäumer, Gunnar Struckmann, Florian Weser, Team-Manager: Klaus Lahme (Stand März 2015)

3 Fragen an Klaus Lahme

(NRV-Team-Manager)

Herr Lahme, nach zwei Titeln in Folge ist der NRV in der Rolle des Gejagten. Fühlen Sie sich wohl damit?

Wir können da sehr gut mit leben. Aber es ist nicht unsere Motivation, einen Titel nach dem anderen zu ersegeln. Wir haben einfach Lust auf die Bundesliga. Die Mannschaft freut sich, wenn das Boot wieder im Wasser ist und gesegelt wird. Eine Platzierung haben wir uns nicht vorgenommen, wir wollen einfach Spaß haben und freuen uns auf die Regatten.

Dennoch fürchten andere Teams Ihren Status als Bayern München des Segelsports. Da schwingt Respekt, aber auch Neid mit.

Stört Sie das? Den Bayern wirft man ja nicht ernsthaft vor, dass sie mehr Spiele gewinnen als die anderen Mannschaften. Wir trainieren hier in Hamburg sehr bodenständig zweimal die Woche abends nach Dienstschluss auf der J/70 eines Club-Mitglieds. Von daher hat es uns selbst sehr überrascht, dass die letzte Saison so gut verlief. Ich selbst fand es bedauerlich, dass der Titel in der vergangenen Saison schon vor unserem Heimspiel auf der Alster vergeben war. Wir hätten da gern mehr Spannung gehabt. Ich rechne damit, dass es dieses Jahr beim Finale in Hamburg bis zum Schluss vorne ganz eng zugehen wird.

Wie schätzen Sie die Lage der Liga zur neuen Saison ein?

Es war schon 2014 sehr eng in den einzelnen Events mit Punktgleichheit oder nur knappen Unterschieden. Beim Auftakt in Starnberg waren die ersten drei Vereine nach 39 gesegelten Wettfahrten punktgleich. Und wenn Jochen Schümann in Hamburg nur auf einem Mittelfeld-Platz landen kann, dann zeigt das schon, wie hoch die Qualität in der Liga bisher war. Und sie wird noch zunehmen. Die Vereine – gerade im Süden, zum Teil auch mit Zwei- oder Mehrboot-Training auf dem Gardasee – haben noch mehr gearbeitet. Auch in Berlin wird sehr fleißig trainiert. Es wird eine spannende Saison.

Veröffentlicht am : 16.04.2015