Meldung aus dem 505er-Klassenraum :

505er

US-Team Holt/Woelfel erklimmt den WM-Thron der 505er

Bei der SAP 505er Weltmeisterschaft vor Kiel holte sich der Kalifornier gemeinsam mit seinem Vorschoter Rob Woelfel den Titel – standesgemäß mit einem Sieg im letzten Rennen.

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Damit triumphierten Holt/Woelfel vor den überraschend starken Australiern Peter Nicholas/Luke Payne und den Lokalmatadoren Wolfgang Hunger/Julien Kleiner, die in einer Millimeter-Entscheidung noch den Kampf um WM-Bronze zu ihren Gunsten entschieden, während die Briten Andy Smith/Tim Needham punktgleich mit Platz vier zufrieden sein mussten.

Die Situation vor dem finalen Rennen ließ für die Titelaspiranten wenig Spielraum für direkte Duelle. Denn sechs Crews lagen dicht beieinander, hatten noch Chancen auf Titel oder Medaillen. So galt es, sich voll auf das eigene Rennen und die Geschwindigkeit zu konzentrieren. Und die hatten einmal mehr Holt/Woelfel. Direkt neben Hunger/Kleiner gestartet konnten sie den Deutschen die entscheidenden Meter abnehmen. Und auch Nicholas/Payne meisterten die Bedingungen perfekt. So kamen die Amerikaner vor den Australiern an der ersten Tonne an, während Hunger/Kleiner im Verkehr der Top-Ten stecken geblieben waren. Smith/Needham kamen gar mit reichlich Verspätung und im Mittelfeld erst um die Bahnmarke.

Die Chance auf einen erneuten Titelgewinn war für den fünfmaligen Weltmeister Wolfgang Hunger damit früh vertan. Lediglich ein Missgeschick oder ein Schaden bei den beiden Top-Mannschaften hätten ihn noch nach vorn bringen können. Doch Holt/Woelfel und Nicholas/Payne arbeiteten bis zum Ende konzentriert, fuhren ihr privates Duell an der Spitze und passierten schließlich klar vor den weiteren Verfolgern die Ziellinie. In einem letzten knappen Wendeduell hielten die Amerikaner schließlich die Australier in Schach und feierten mit einem mächtigen Jubelschrei den Titel, gönnten sich anschließend einen Schluck Sieges-Champagner aus einer Magnumflasche, die ihnen noch auf dem Wasser gereicht worden war.

Aber auch die Australier feierten ihr WM-Silber überschwänglich. Das Duo, das zur Match-Race-Mannschaft von David Gilmour gehört, hatte vor der WM lediglich eine Top-Ten-Platzierung als Ziel ausgegeben und war mit den Vize-Titel glücklich, zumal ihnen nur ein Patzer von Holt noch die Chance auf den ganz großen Coup eröffnet hätte.

Hinter den beiden Top-Teams wurde es dagegen noch einmal denkbar eng. Hunger/Kleiner und Smith/Needham kämpften im Fernduell um die Bronzemedaille. Während die Deutschen einen dritten Platz dringend brauchten, hätte den Briten ein siebter gereicht. Und beide Crews arbeiteten sich beständig nach vorn. Hunger schnappte sich nach der zweiten von drei Runden den dritten Rang und zitterte die Platzierung ins Ziel. Doch damit war noch keine Entscheidung gefallen, denn Smith war plötzlich an Rang sieben dran. Ganz konnte er die vor ihm Platzierten aber nicht mehr schnappen, und so kam er mit Rang acht und der bangen Frage „Where is Wolfgang?“ ins Ziel. Die Antwort sorgte für Ernüchterung und die Erkenntnis, dass es punktgleich hinter Hunger/Kleiner nur zu Platz vier gereicht hatte.

Nach den Ankunft an Land wurden dann Holt/Woelfel bereits von einer großen Schar von Freunden, Gratulanten und Reportern empfangen. „Einfach unglaublich, in diesem starken Feld gewonnen zu haben. Ich habe erst dran geglaubt, als wir die Ziellinie überquert haben“, jubelte Mike Holt. Der 46-Jährige segelt seit 25 Jahren in der Klasse und war 2009 und 2011 jeweils Vize-Weltmeister geworden. „Als ich ehemals angefangen habe, 505er zu segeln, hatte ich gehofft, mal eine gute Regatta zu segeln. Jetzt hier zu stehen, ist wirklich großartig.“ Auch Holts Vorschoter war überwältigt: „Als wir herkamen, wussten wir, dass es sehr schwer werden würde. Denn zehn Teams hatten eine Chance auf den Titel. Auf der letzten Kreuz habe ich dann angefangen, dran zu glauben, dass wir Weltmeister werden könnten“, sagte Woelfel, der in den vergangenen Jahren immer mal wieder mit Holt gemeinsam gesegelt ist, bei dessen beiden Vize-Titeln aber nicht mit an Bord war.

Für die Australier war der zweite Platz keine Enttäuschung: „Heute hätten wir Holt vielleicht schlagen können, aber das hätte keinen Effekt mehr gehabt. Nach unserem siebten WM-Platz vor zwei Jahren, wollten wir wieder in die Top-Ten. Platz zwei ist super“, sagte Peter Nicholas, der mit seinem Vorschoter seit Ende Mai in Europa unterwegs ist und dabei vor allem mit David Gilmour Match-Race segelt.

Und auch für Hunger/Kleiner hatte die WM einen gelungenen Abschluss, obwohl der Traum vom sechsten Titel für Hunger geplatzt ist, mit dem er alleiniger Rekord-Weltmeister geworden wäre. „Wir haben gekämpft bis zum letzten Meter, denn wir wussten ja, dass wir Dritter werden mussten, um noch auf das Podium zu kommen. Und es war sehr eng“, sagte Hunger. „Für den Titel fehlte uns diesmal die Geschwindigkeit. Die Amerikaner fahren ein anderes Setup aus Segel und Rigg und waren damit besser unterwegs. Uns hätte dafür das Crewgewicht gefehlt. Wir mussten immer ein bisschen Druck rausnehmen, damit konnten wir vorn nicht mehr angreifen. Schade, dass alle Tage über die gleichen Starkwind-Bedingungen geherrscht haben. Bei anderen Winden wäre mehr möglich gewesen. Aber hätte, wenn und aber zählt nicht. Entscheidend war, dass unser erster Tag nicht optimal war“, so Hunger, der wie im vergangenen Jahr erneut WM-Bronze holte.

Mit vier weiteren Mannschaften in den Top-Ten stellten die Deutschen einmal mehr die stärkste WM-Flotte. Auf Platz fünf kamen die Vize-Weltmeister von 2013, Stefan Böhm/Gerald Roos (Köln). Die nach dem ersten Tag führenden Morten Bogacki/Lars Dehne (Düsseldorf/Zwischenahn) mussten schließlich mit Rang sieben zufrieden sein – direkt vor Jens Findel/Johannes Tellen (Kiel). Und auf Platz zehn rundeten Stefan Köchlin/Andreas Achterberg (Schluchsee) das gute Ergebnis der Gastgeber ab.

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Veröffentlicht am : 22.08.2014