Workshops

Boatfit: Kunststoffkunst mit tausend Komponenten

Sein Geld verdient Helge von der Linden mit dem Handel von Bootsbauprodukten, sogar kompletten Bausätzen. Aber das Herz des Firmenchefs hängt viel mehr daran, Menschen von neuem Material und innovativen Bauverfahren zu überzeugen. In Seminaren bringt er Gruppen zwischen zehn und 14 Teilnehmern bei, wie einfach etwa die Arbeit mit Epoxydharz sein kann.

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Man muss dafür nur ein bisschen bei von der Linden in Wesel oder in seinem Workshops auf der Bremer Refitmesse BOATFIT, damit gebaut haben.

Auf von der Lindens Handy blinkt die Nummer eines Katamaran-Selbstbauers. Der Kunde erfüllt sich mit einem Bausatz aus Wesel seinen Traum vom 40-Fuß-Katamaran: „Der ist mit solch einer Begeisterung beim Bau dabei, dass er ständig den Konstrukteur überholt“, lächelt Helge von der Linden, bevor er abnimmt und die nächsten Bautipps gibt. In nur 28 Tagen war einer der beiden Rümpfe im Rohbau fertig: Die Sandwichplatten der Marke Duflex mit Glasgelegen außen und einem geschlossenporigen Schaumkern sind nach dem Design der australischen Firma Schionning in Wesel am Niederrhein auf Euro-Paletten-Größe gefräst worden. Der Katamaran-Fan klebt die Bauteile nun auf der Balticat-Werft in Arnis an der Schlei mithilfe von Werftchef Stefan Hüttermann zusammen.

Unter anderem für solche Projekte von superfesten und schnellen Leichtbaubooten gründete von der Linden mit australischen Partnern das Joint Venture „VDL Composites“. Tatsächlich hatte das Familienunternehmen M. u. H. von der Linden aber schon 1979 seinen ersten Yachtbausatz für eine 30-Fuß-Konstruktion, einen schicken Halbtonner, verkauft. Die französische Konstruktion wurde damals von der englischen Werft Whisstock´s Boatyard angeboten: „Die fuhr auch ganz gut“, erinnert sich Helge von der Linden mit Blick auf ein Schwarzweißbild an der Wand. Das Foto zeigt den Werftchef mit dem zeittypischen Vollbart im Cockpit des Sperrholzknickspanters unter Segeln. Das ist viele, viele Boote her, darunter Superyachten bis zu kleinen Motorbooten, wie eine wandfüllende Fotocollage in der Firmenzentrale zeigt. In manchen Rümpfen konnten die Laminierer spazieren gehen, in andere mussten sie sich hineinwinden. Werften wie Lürssen oder Abeking & Rasmussen setzten genauso Projekte mit von der Linden um, wie zurzeit die Yachtwerft Lütje in Hamburg: „Die bauen dort gerade mit unseren Produkten zwei tolle klassische Yachten“, erzählt von der Linden.

Wie weit die Vorarbeiten in Wesel gehen können, zeigt er am Modell eines 15 Meter langen Motorbootes, gezeichnet von den Konstrukteuren von Judel/Vrolijk & Co in Bremerhaven: „So gut Computerprogramme beim Entwerfen auch sind, erst wenn wir hier alles im Modell umsetzen, sieht man auch die Teile, die nicht passen.“ Die Vorstufe des Bootes ist gerade mal 1,30 Meter lang, wird durch Stecknadeln zusammengehalten und ist mit der klitzekleinen Zwei-Millimeter-Fräse aus hauchdünnem Pappelsperrholz ausgeschnitten worden. Von der Linden meint mit Blick auf die vielen Einzelteile augenzwinkernd: „Der Modellbau macht eigentlich am meisten Spaß.“ Mit den Augen sucht er die offenen Schränke nach dem Modell des Kleinkreuzers „Bente 24“ von „Digger Hamburg“ ab, denn auch bei diesem Bootsbauprojekt sind die Weseler dabei.

Von der Lindens Kollege Kai Arendholz kommt mit einem Schuhkarton ins Büro, in dem das Modell der Bente 24 fein säuberlich zerlegt liegt. Arendholz wird sich mit Helge von der Linden in diesem Jahr die Vortragstätigkeit auf der BOATFIT teilen. „Reparatur von GFK-Booten in Theorie und Praxis“ heißt ein Thema, gemeinsam mit dem Weltumsegler Hinnerk Weiler erzählt er zudem, wie man sich für sein Boot ein Hardtop an Stelle der Sprayhood bauen kann.

Helge von der Linden wird einmal mehr über den Baustoff Epoxy reden und darüber, wie vielseitig, stark und haltbar der Stoff ist. Schon sein Vater schwor darauf, machte vor über 40 Jahren den damals noch völlig unbekannten Stoff mit der Marke West-System in Europa bekannt – der Sohn setzt die Missionsarbeit nun fort. Auf der BOATFIT erklärt er Holzbootbesitzern außerdem, was sie alles selbst an ihren Booten erledigen können. Von der Linden ist schon seit der ersten Messe in Bremen dabei und geradezu ein Fan: „Von den 11.000 Besuchern ist gefühlt jeder einmal an unserem Stand.“ Und das seien eben meist auch Bootsbesitzer, die viel an ihren Schiffen selbst erledigen.

Wer nach den Workshops und Foren der Messe richtig tief in die Materie einsteigen möchte, sollte gleich mit ein paar Gleichgesinnten ein Seminar in Wesel buchen. Im Firmenneubau von 2009 gibt es einen Extratrakt mit Laboren in Klassenraumgröße und einem großen Konferenzraum. Das Gros der Seminarteilnehmer kommt von Firmen wie AWN, die Von-der-Linden-Produkte an die Endverbraucher verkaufen: „Und die großen Werften schicken uns ihre Zulieferer, damit die von uns in der Handhabung der Produkte geschult werden. Seminare für Bootsbesitzer machen wir momentan nur zwei bis drei im Jahr je nach Nachfrage“, berichtet von der Linden. Also dann: Zwei Tage kosten inklusive Essen im Yachtclub am Rhein 400 Euro, das Eintagesseminar liegt bei 250 Euro.

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Veröffentlicht am : 14.12.2014